Kritik zu „Handeln. Mitmachen. Bewegen.“

Die EU hat augenscheinlich eine Sinnkrise zu bewältigen. Europaweit befinden sich nationale Populisten, die eine Zerschlagung der EU fordern im Aufwind. Daher verwundert es auch nicht, dass nur wenige eine Errungenschaft der EU nennen können, aber Dinge wie Pestizid- und Gemüseregelungen jedem ein Begriff sind. Das hielt das EU-Parlament nicht davon ab ein Video zur Wahl zu präsentieren, dessen Aussagen nicht abstrakter hätten sein können.

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 Vorsicht Spoileralarm!

Für diejenigen denen das Video noch nicht untergekommen ist, hier eine kurze Zusammenfassung. Gezeigt werden 22 Handlungsstränge denen von einer Stimme aus dem Off einzelne Verben zugeteilt werden. Eine gezeigte Geburt wird zum Beispiel mit „beginnen“ unterlegt, eine junge Bodenturnerin mit „gewinnen“ und ein Vater der mit seinem Sohn im Auto lebt mit „verlieren“. An sich keine all zu schwere Kost. Doch das Video lässt den Zuschauer mit einem faden Beigeschmack zurück.

 Bilder unglaubwürdig

Erst nach dem Zweiten Mal ansehen wurde mir bewusst was dieses beklemmende Gefühl verursachte. Zuerst sind es die unglaubwürdig wirkenden Bilder. Im Falle des Vaters der mit seinem Sohn im Auto lebt wirken die Bilder zu „sauber“. Die Kleidung der beiden ist frisch gewaschen und korrekt gebügelt. Auch das Auto glänzt wie gerade frisch poliert. In der Hochzeitsszene eines gemischtrassigen Paares ist es der cremefarbene Anzug des Bräutigams mit der grauen Fliege dazu, der das Bild irgendwie stört. Auch das Bild der zehnköpfigen, blonden Familie vor einem kitschig wirkenden, knallroten Haus in dem sich eventuell Barbie und Ken wohl fühlen würden, wirkt befremdlich. Am meisten gibt einem die Szene zu denken, in der ein junger Mann mit nacktem Oberkörper, wild um sich schießend durch ein leeres Fabrikgebäude läuft. Ebenfalls sind die Verben des Kommentators bei einigen Szenen schwer mit den gezeigten Bildern zu verknüpfen. Was hat zum Beispiel ein Hügel mit „aufwachen“ zu tun, oder ein Schäfer der Iphone-Kopfhörer trägt mit „niemals ändern“? Das Video lässt einen mit diesen Fragen zurück, denn die gezeigten  Szenen werden am Ende nicht aufgelöst.

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 Ist das Europa?

Aber weitaus mehr wirkt auf einen der Zusammenhang. Will ich die gezeigten Bilder mit Europa assoziieren? Es werden viele Dinge gezeigt die man mit Blick auf die letzten Ereignisse als negativ bewertet. Ein Polizist der sich mit Schlagstock gegen randalierende Demonstranten erwehrt erinnert an die Ausschreitungen in der Ukraine, Spanien oder Griechenland. Die Szene einer Börse stößt den meisten mit Blick auf die Bankenskandale der letzten Zeit sauer auf, dass die Stimme das mit „global denken“ verbindet macht es noch schlimmer. Auch Bilder von halbnackten Männern die mit einer Kalaschnikow schießen kennt man von Bürgerkriegen rund um die Welt. Containerschiffe, Kriege, aus Autoteilen gebastelte Pferdekutschen, Flüchtlinge die von einem Boot springen, Obdachlosigkeit, Müllberge, all das sind Dinge die man nicht mit einem modernen Europa verbinden will.

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 Video spielt den Gegnern in die Hände

Am Ende fordert die Stimme mit den Worten der Wahlkampagne „Handeln, Mitmachen, Bewegen.“ zum Wählen auf. Die Idee hinter dem Video war gut, die Umsetzung nicht. Wenn man motivieren will sollte man nicht zeigen was alles in Europa schief läuft. Streckenweise könnte man sogar meinen, man wolle den Kandidaten der Pro-Austritts-Parteien, Material für ihre Sager geben. Vielleicht sollte sich das Parlament das nächste mal an Konzerne mit großartigen Werbespots, wie zum Beispiel den Clip mit dem kleinen Darth Vader von VW, wenden. Ein Video zur EU mit einer knackigen Pointe am Schluss wäre doch einmal erfrischend anders.

So viel zu meiner Meinung, aber seht selbst und macht euch eure eigene:

Alle verwendeten Bilder wurden dem Video „Handeln. Mitmachen. Bewgen“ von der Seite zur EU-Wahl 2014 des Europäischen Parlaments entnommen.


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