Vortrag zum Thema „Das Europäische Parlament – Ein Blick in die Zukunft“ von Andreas Mölzer

Am vergangenen Montag, dem 7. April, fand im Haus der Heimat im 3. Bezirk die Veranstaltung „Das Europäische Parlament – Ein Blick in die Zukunft“ statt. Es sollte sich um einen Vortrag des, mittlerweile ehemaligen, FPÖ-Spitzenkandidaten Andreas Mölzer handeln. Zuerst wurde 10 Minuten nach Beginn angekündigt, dass Andreas Mölzer nicht zu seinem geplanten Vortrag erscheinen könne.

Der Hausherr des „Haus der Heimat“, in dem die Veranstaltung stattfand, wies darauf hin, dass Mölzer schon auf dem Weg nach Wien war und sich sogar schon im Haus befand, aber dann „sozusagen entführt wurde“, weil er einen wichtigen, wohl sehr spontanen Termin mit H.C. Strache hatte, dem Parteivorsitzenden der FPÖ. Den Wirbel verstehe er  ja eh nicht, „‘Neger‘ ist schließlich kein böses Wort, das stand bis 1960 in jedem Duden und sogar Martin Luther King hat immer von ‚Negern‘ gesprochen.“ Daran merke man mal wieder die sogenannte Pressefreiheit, die wohl in irgendeiner Form verantwortlich gemacht wird. Bestimmte Wörter dürfte man ja bald gar nicht mehr benutzen, „Asyl“ zum Beispiel, eben auch „Neger“, das sei ja völlig übertrieben.

Haus der Heimat AußenansichtDas „Haus der Heimat“ von außen.

Nach ungefähr 5 Minuten kamen von einer Frau hinter uns vermehrt kritische Blicke auf unsere Notizen und schließlich kam die Frage: „Betreibt ihr hier investigativen Journalismus?!“ Das dürften wir hier nicht und wir sollten uns sofort vorne melden. Es folgte etwas wirr die Vermutung, dass wir von der Zeitschrift „News“ wären und es da ja schon einmal eine Klage gab. Wir wiesen sie darauf hin, dass es sich um eine öffentliche Veranstaltung handelt, wir für einen Blog im Rahmen einer Veranstaltung der Uni Wien schreiben und wir dem laufenden Vortrag jetzt gerne folgen würden. Die Dame, damit wohl nicht zufrieden gestellt, unterbrach den laufenden Vortrag, um die Redner lautstark darauf aufmerksam zu machen, dass zwei junge Fräulein hier „investigativen Journalismus“ betreiben würden. „Schmeißts es ausse“ kommt von hinten, Applaus aus der Menge. Der Hausherr machte jedoch darauf aufmerksam, dass ja in diesem Land Presse- und Meinungsfreiheit herrsche, im Gegensatz zu anderen Ländern. An wen ging der Seitenhieb? Das Ausland, vermutlich.

Als die Frage unseres Rausschmisses geklärt war, ging der Vortrag geregelt weiter. Die Dame hinter uns war jedoch immer noch nicht zufrieden und bezeichnete uns als „Kommunistenpack“, das kenne sie ja schon, woraufhin sie von ihrer Sitznachbarin unterstützt wurde: „Jaja, ‚unseren Hass, den könnt ihr haben‘, aggressive Linke, die kenn ma scho!“. An dieser Stelle der Hinweis, dass wir, zwei Studentinnen, bis jetzt lediglich auf einem Zettel Notizen über den Vortrag gemacht hatten und per Ipad twitterten.

Haus der Heimat/Neuer KlubDer Vortragsraum im „Haus der Heimat“.

Statt Andreas Mölzer trat nun seine rechte Hand bei der von Mölzer herausgegebenen Zeitschrift „Zur Zeit“, Dr. Bernhard Tomaschitz, hinter das Rednerpult. Nach einem Hinweis, dass jegliche Fragen zu den aktuellen Geschehnissen unerwünscht seien, konzentrierte sich sein Vortrag vor allem auf die 10 Thesen Mölzers, die Thomaschitz in mehr oder weniger aktuelle Ereignisse einbettete. So ist von „50 Mio. Afrikanern“ die Rede, die die EU ins Land holen will. Als der einzig offen kritische Zuschauer nach einer Quelle für die Zahl fragte, wird um Verständnis dafür gebeten, dass man vor allem bei einem so kurzfristig geplanten Vortrag nicht sofort alle Quellen zur Hand hätte. Aber natürlich werden gerne die Kontaktdaten aller Interessierten aufgenommen und der Nachweis nachgereicht.

Auffällig war: Obwohl das Wort „Neger“ ja so unbedenklich sei wurde im Vortrag strengstens darauf geachtet, von „Schwarzafrikanern“ zu reden. Unfair fand Dr. Tomaschitz auch, dass man, „sobald man gegen Zuwanderung ist, gleich automatisch ein Fremdenfeind sei.“ Außerdem waren, nach den Ausländern wohl die größte Sorge der FPÖ, Energiesparlampen ein großes Thema. Dass die EU vorschreiben möchte, welche Glühbirnen oder welchen Staubsauger man benutze, sorgte beim Publikum für nicht enden wollende Empörung. „Energiesparlampen haben mit Umweltschutz auch nichts zu tun“, es werde „gelogen und betrogen“. Noch dazu sei die Stromrechnung doch Sache des Einzelnen, Konsequenzen auf die Umwelt im Zusammenhang mit dem Stromverbrauch wurden bestritten. „Was geht das Brüssel an? –NICHTS!“ meinte Tomaschitz und erntete Applaus.

Zwischenzeitlich wurde es schwieriger, dem Vortragenden zu folgen, da wir unter anderem präventiv von hinten als „feige Säue“ bezeichnet wurden, weil wir uns angeblich nicht trauen würden, unseren Namen auf eine Gästeliste zu setzen, die herumging. Nun kann man natürlich Dr. Tomaschitz und dem Haus der Heimat nicht vorwerfen, dass so ein Verhalten des Publikums von ihnen erwünscht wäre. Auch das Lachen über jede Anfeindung gegen uns könnte man als Höflichkeit den Anhängern gegenüber bezeichnen. Zwar gab es auch von Tomaschitz persönlich einige spitze Bemerkungen auf uns, so könnten zum Beispiel bei seiner Aussage, die EU drohe „so etwas wie eine politisch gerechte Sinnesdespotie zu werden“, die jungen Fräulein ruhig fleißig mitschreiben . Das haben wir getan, genauer erläutert wurde die Aussage im Anschluss jedoch nicht. Schade.

Dr. Bernhard TomaschitzLinks im Bild: Dr. Bernhard Tomaschitz

„Ob aus dem Ausland wirklich die Fachkräfte kommen, die man erwartet, ist stark zu bezweifeln“, als bestes Beispiel fällt Tomaschitz die „Uni Timbuktu“ ein, die sicher nicht mit dem Niveau der TU Wien mithalten könne. „Aids kommt daher“ kam aus dem Publikum. Solche, für Außenstehende selbst dem Vortragenden gegenüber recht unfreundlich wirkenden Einwürfe kamen während des gesamten Vortrags aus dem Publikum, das schien die wenigsten zu stören. Generell war auf jeden Fall eine sehr hohe Beteiligung der Anwesenden zu erkennen, alle schienen recht gut mit dem Inhalt des Vortrags vertraut zu sein und waren begeistert bei der Sache.

Als Publikumsmeinung kam auch auf, dass Mölzers einziger Fehler war, sich entschuldigt zu haben. Daraufhin wurde dem Zuschauer jedoch vom Hausherren zugeflüstert „nicht abschwächen, des mach ma nicht“ mit Blick auf uns. Der Raum besaß eine recht gute Akkustik.

Außerdem befinden wir uns laut Dr. Tomaschitz in Europa am Rand zum latenten Bürgerkrieg, zu danken sei der Masseneinwanderung. In London und Paris war es schon so weit, in Wien noch nicht. Das sorgte für Empörung und nach dem anschließenden Schlussappell, dass es wichtig sei, nicht nur in Österreich sondern in ganz Europa patriotisch zu wählen, wurde stark applaudiert. Dazu, wie es nach der EU weitergehen soll mit Österreich, sagte Dr. Tomaschitz: „Darüber muss ich mir erst noch meine Gedanken machen.“

Krimreise mit der FPÖNach dem Vortrag wurden Flyer verteilt: Einladung zum „Reisen mit Freunden“ auf die Halbinsel Krim.

In der Pause zwischen dem Vortrag und der anschließenden Diskussionsrunde mussten wir einigen aus dem Publikum erneut erklären, dass wir nicht im Auftrag der Kommunisten unterwegs waren und auch für keine Zeitung schreiben, sondern für einen Blog, der sich mit der Europawahl beschäftigt. Erleichterung machte sich breit, „liest ja eh koana“ kam als beruhigte Antwort.

Veranstalter war laut Mölzers Homepage übrigens der Freiheitliche Akademikerverband, der laut Internetauftritt seine Aufgabe im „Beitrag zur freien Meinungsbildung oder Treffen der geselligen Art“ sieht. Jedoch erreichte uns nach Veröffentlichung dieses Artikels eine E-Mail, in der Mag. Dietbert Kowarik, Schriftführer des FAV WNB, eine Beteiligung des Freiheitlichen Akademikerverbandes Wien abstritt. 


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