Europawahl 2014 – Was ist mit den Medien?

Auf die eine Weise hat Eugen Freund es gezeigt, auf die andere Weise Andreas Mölzer: Medien spielen eine Rolle, auch bei den Europawahlen 2014. Welche genau das ist, hat sich eine Diskussionsrunde im Österreichischen Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum angesehen. Zu Gast waren Reinhard Göweil, Chefredakteur der Wiener Zeitung, Kommunikationswissenschaftler Fritz Hausjell, Wolfgang Mitterlehner, Abteilungsleiter Kommunikation der AK Wien sowie SP-Listenkandidat Wolfgang Greif. Die ursprünglich für die Politikerseite angekündigte Abgeordnete Karin Kadenbach (SPÖ) hat abgesagt.

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Wie in ganz Europa haben auch in Österreich die nationalen Medien die Aufgabe, EU-Themen informativ und transparent für die Bevölkerung aufzuarbeiten. Ein wichtiger Vorgang, der sich schwieriger gestaltet, als erhofft. Im Lichte des aktuellen Wahlkampf konstatiert WZ-Chefredakteur Göweil: „Das Interesse in Österreich an Europa ist groß, auch wird viel berichtet. Doch richtig funktionieren will es nicht.“ Wo liegen die Probleme?

Erstens: Europathemen sind nicht sexy

In einem ist die Expertenrunde sich einig: die hohe Komplexität der Sachverhalte gilt als großer Stolperstein. Weder für die Medien, noch die Interessensvertreter sei EU-Politik einsilbig erklärbar. Die Konsequenz daraus: ein nationaler Filter, mit dem sich Zeitungen Österreichbezug konstruieren um den Lesern die Berichterstattung schmackhaft zu machen. Das verfälsche die Authentizität und führe zu problematischer Simplifizierung, die letzten Endes Populismus wildem Auftrieb liefere. Während die Informationslage im Boulevard prekär sei, setzen Qualitätsmedien dabei oftmals zu viel Vorwissen vom Leser voraus.

Zweitens: Europa hat den schwarzen Peter

Europapolitik wird oft nicht gerade als unmittelbar nah am Leben wahrgenommen und ist außerdem, wie schon erwähnt, eine komplexe Angelegenheit – ein Faktum, das sowohl Politiker als auch Medien dazu verleite, Brüssel in allen Lebenslagen zum Sündenbock zu erklären. Viel zu oft diene die EU der Politik als Ablenkungsmanöver und Projektionsfläche, laut Mitterlehner eine „erbärmliche Tatsache“. Auch Medien profitieren davon – und nutzen Europa als Mittel um Zorn zu kanalisieren, ohne potentiellen Anzeigenkunden auf die Füße zu steigen.

Drittens: Gemeinsame Rechnung

Ein anderes Problem liege in der hausgemachten Verknüpfung zwischen Politik und Journalismus in Sachen Europa. Die gängige Praxis sei, so Hausjell, „eine Art embedded journalism“, der die im Tross der Politiker nach Brüssel und Strassburg reisenden Reporter automatisch zur Verfälschung zwinge. Es sei zwingend notwendig, dass Redaktionen ihre Reisen selbst zahlen, betonen Hausjell und Göweil vehement.

Viertens: Der alte Feind, die Medienkrise

Österreichs Redaktionen müssen den Gürtel stramm ziehen, und bei Europa wird gerne gespart. Lediglich zwölf Journalisten sind permanent in Brüssel als Korrespondenten tätig, und diese tun sich laut Mitterlehner noch schwer, ihre Tätigkeit in Österreich zu kommunizieren. Der generelle Finanzdruck in der Branche führt zu Stellenabbau, weniger Journalisten müssen in kürzerer Zeit mehr Arbeit erledigen – ein Umstand, unter dem auch die Qualität leidet, die Europaberichterstattung erfordert. Mehr Mittel, so die einhellige Expertenmeinung, würde die Situation in Österreich verbessern.

Aber: Nicht alles ist schlecht

Das Lob der Runde geht an die Qualitätsmedien. Diese seien darum bemüht, dem Leser hochwertige Europaberichterstattung zur Verfügung zu stellen. Fritz Hausjell wünscht sich jedoch gerade im Hinblick auf die nahenden Wahlen mehr davon und appelliert zudem, mehr Aufbauwissen und erklärende Informationen mit den Artikeln zu liefern.
Auch die Perspektive des Lesers zeigt, dass mediale Berichterstattung erwünscht ist – einer Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik zufolge wurden für 51% der Befragten im Wahlkampf ihre relevanten Themen noch nicht behandelt – eine Bresche, in die auch die Medien springen können. Bleibt zu hoffen, dass diese dem Wunsch nachkommen.