Es ist Wahlkampf! Eine Wahlplakat-Typologie.

Man kann ihnen nicht entgehen und es werden immer mehr. An jeder Straßenecke und jedem Laternenpfahl, von jeder Werbefläche grinsen und sprechen sie einen an, bis man den Kopf voller Gesichter, Namen und Slogans hat. Es ist Wahlkampf und alle gehen hin – mit Wahlplakaten. Ist die Bepflasterung der Flächen nun informativ oder nur nervig? Welche Partei wie um die Gunst der Wähler wirbt, zeigt folgende Übersicht. 

SPÖ:

Wahlplakat SPÖ

Wer ist drauf: Der Spitzenkandidat Eugen Freund

Was steht drauf: „Europa im Kopf. Österreich im Herzen.“

Was uns das Plakat sagen will: Die SPÖ setzt auf ein Plakat ohne viel Schnickschnack. Der Kandidat, ein Slogan, freundlicher Gesichtsausdruck, Politiker-Geste – that’s it. Dass die SPÖ ihren Wahlkampf hauptsächlich auf inhaltlicher Ebene führen will und weniger den Spitzenkandidaten als Gallionsfigur vorne dran stellen will, kommt bei dem Plakat nicht wirklich rüber. Denn aus dem Slogan große Inhalte zu ziehen fällt, mit Verlaub, schwer. Ist Herr Freund nun eher pragmatischer Kopfmensch oder gefühlsbetonter Herzmensch – da kann sich nun jeder seine persönliche Europa-Österreich-Hierarchie heraussuchen.

 

ÖVP:

Othmar Karas ÖVP

Wer ist drauf: Othmar Karas, Spitzenkandidat und Vizepräsident des Europäischen Parlaments.

Was steht drauf: „Weil ich Österreich liebe, arbeite ich für ein besseres Europa.“, „Wenn’s um Europa geht: Karas“

Was uns das Plakat sagen will: Und wieder präsentiert sich uns ein seriöser Herr, mittleren Alters mit randloser Brille und Halbglatze. Doch trotz akuter Verwechslungsgefahr mit Eugen Freund befinden wir uns hier allerdings bei der ÖVP. Diese setzt voll auf eine Persönlichkeitskampagne und präsentiert einen sympathischen, nahbaren Spitzenkandidaten. Junggeblieben und häufig ohne Krawatte sieht er einem „besseren Europa“ entgegen. Ob seine Initialen „O.K.“ nun eher Fluch oder Segen sind, sei dahingestellt. Das Parteilogo der ÖVP sucht man auf vielen Plakaten vergeblich. Erst in der zweiten und dritten Plakatwelle tauchte dieses auf.

Die Grünen:

WAHLPLAKATE EU-WAHL 2014- DIE GR‹NEN

WAHLPLAKATE EU-WAHL 2014 - DIE GR‹NEN

Wer ist drauf: Ein zukünftiges Schnitzel und ein bäuerlicher Verfechter krummer Gurken.

Was steht drauf: „Für ein Leben vor dem Schnitzel“ und „Für krumme Gurken – gegen krumme Geschäfte“.

Was uns das Plakat sagen will: Aaaaw – ein Ferkel! Die Schnauze! Die Knopfaugen! Hach… Einerseits möchte man das Schweinchen sofort vor der tödlichen Panade retten, andererseits ist der Gusto auf Schnitzel im Österreicher wohl genetisch verankert (abgesehen von der Tatsache, dass das Wiener Schnitzel vom Kalb stammt). Welch’ Zwiespalt! Dagegen stinkt die krumme Gurke emotional ziemlich ab. Sorry, lieber Landwirt. Aber wie heißen nochmal die Spitzenkandidaten?

 

NEOS:

Neos Plakat

Wer ist drauf: Angelika Mlinar, Spitzenkandidatin. In der Nebenrolle: Weißes Porzellan.

Was steht drauf: „Auf nach Europa“, „Wir schauen über den Tellerrand“.

Was uns das Plakat sagen will: Die NEOS präsentieren sich im direkten Parteivergleich definitiv am hippsten. Mit der Signalfarbe pink ist selbst die Aufmerksamkeit des verträumtesten Passanten garantiert. Hier hatte ein Layouter große Freude daran grafische Sterne zu drapieren und Teller mit Slogans zu bekritzeln. Is pink the new black?

 

FPÖ:

FPOE Wahlplakat

Wer ist drauf: Im Mittelpunkt steht nicht Spitzenkandidat Harald Vilimsky, sondern Parteichef Heinz-Christian Strache.

Was steht drauf: „Österreich denkt um – zu viel EU ist dumm“, „Wir verstehen Eure Wut – zuviel EU tut niemand gut“

Was uns das Plakat sagen will: Unter dem Pumuckl-Motto „was sich reimt, ist gut“ präsentiert die FPÖ ihre Parolen mit klarer Anti-EU-Haltung. Was sich dabei klar von allen anderen Parteien unterscheidet, ist die Tatsache, dass nicht nur das Konterfei des eigentlichen Kandidat Harald Vliminsky die Plakate ziert, sondern dem Wähler auch H.C. Strache entgegenlächelt. In der ersten Plakatwelle war sogar lediglich Strache zu sehen.  Der EU-Wahlkampf wird also zur Chefsache erklärt. „Zu viel EU ist dumm“ muss als Inhalt reichen, ein eigenes EU-Wahlprogramm existiert nämlich nicht.

 


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