Europa-Wahl 2014

Jubel, Tränen & Emotionen-Der Wahlabend der EU-Wahl 2014

Monate des Wahlkampfes mündeten am Sonntag in die Europa Wahl. Wie bei jeder Wahl fand man sich zusammen, um gemeinsam erste Hochrechnungen und Wahlergebnisse zu erwarten und im Anschluss –hoffentlich– zu feiern. Wir waren live dabei und haben hier die Stimmungen der jeweiligen Wahlparties festgehalten.

ÖVP

Am Eingang zur ÖVP Wahlparty mussten wir zunächst warten, weil wir trotz Zusage nicht in der hochoffiziellen Gästeliste eingetragen waren. Nach einem kurzen Gespräch mit einem Vertreter der Pressestelle bekamen wir jedoch immerhin ein Gästeband, das Presseband wollte man uns scheinbar nicht zumuten. Dies stellte sich später (im Bezug auf Kaiserschmarrn, faschierten Laibchen mit Erdäpfelbrei, Bier und Wein) jedoch nicht als Nachteil heraus. Die Prominenz verließ schon nach der ersten Hochrechnung die Showbühne. Lediglich Othmar Karas war noch kurz zu sehen, als er dem ORF noch ein letztes Statement gab, bevor er auf einem Motorrad in das Europahaus chauffiert wurde.
Allgemein war die Stehparty in der Lichtenfelsgasse gut besucht, auf Grund des sonnigen Wetter hielten sich die meisten Leute im Freien auf.

Freude sieht anders aus

„Das Ergebnis ist eine Katastrophe, die Stimmung war bei der 1. Hochrechnung am Tiefpunkt“, so Michaela Kauer bei der Wahlparty der SPÖ. Die Stimmung besserte sich im Laufe des Abends etwas. Die Wahlgewinne der Rechten waren sicherlich mitverantwortlich für die eher mäßige Laune der Anwesenden. „Auf europäischer Ebene haben wir verloren“, sagte Jessica Müller, die Bundesvorsitzende der VSStÖ.

Im Allgemeinen äußerte man sich vor allem sehr schockiert über die Ergebnisse aus Frankreich und es wurde die Hoffnung geäußert, dass „die VP keine Fraktion mit der FP“ eingeht.

Zu später Stunde waren nur noch sehr wenige Leute da, was zum einen sicherlich daran lag, dass es keine Übertragungen über das EU weite Ergebnis mehr gab, zum anderen vielleicht auch allgemein an der eher gedrückten Stimmung.

Dass die rechten Parteien Europas bei dieser Wahl so zugelegt haben, war Thema Nummer 1 und schlug allen schwer auf den Magen. Der Rechtskurs in Frankreich sei „bedenklich“ und man stelle sich die Frage „ob und welche anti-europäischen Rechtsfraktionen gebildet werden!“, so der Podiumsredner der Veranstaltung im EU-Haus, die wir auf Grund der spärlichen Besucher bei der SPÖ im Anschluss noch besuchten.

Hier trafen wir noch auf die Innenministerin, die sich uns gegenüber ebenfalls zur Wahl äußerte: „Ich bin glücklich, dass die pro-europäische Parteien gewonnen haben, ganz besonders froh bin ich, dass die ÖVP gewonnen hat. Die FPÖ hat im Vergleich zum letzen Mal eigentlich verloren.“

SPÖ

Sieg ohne Feier

Eher gemäßigte Wirtshausstimmung herrschte im Schanigarten des Café Adams, in dem die FPÖ ihren Wahlerfolg feierte. Die Gäste wurden mit Bier und Ben&Jerrys versorgt, von Feierlaune war allerdings nicht mehr allzu viel zu spüren. Die Anwesenden unterhielten sich in kleineren Gruppen und im Gegensatz zu anderen Wahlparties war hier „wenig los“ – was angesichts des Wahlerfolges sehr überraschend war.

 Grün ist nicht nur die Farbe der Hoffnung

Ganz anders und vor allem sehr ausgelassen war die Stimmung im Theater Metropol, in dem die Grünen bei duftenden Bio-Buffets ihre Wahlergebnisse feierten. Die Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek wurde mit tosendem Applaus begrüßt und bereits vor den ersten Hochrechnungen verhielt man sich locker und ausgelassen – offenbar wusste man hier scheinbar schon erste Trends zu interpretieren. Pünktlich um 17 Uhr brach dann erneut großer Jubel aus, nachdem die ersten vorläufigen Wahlergebnisse präsentiert wurden. 14,5% seien laut Lunacek (die am 26.Mai Geburtstag hat) „Das schönste Geburtstagsgeschenk, das ich je im Leben hatte“. Nach einem Happy Birthday ihrer Anhänger ließ sie die Zuseher wissen, dass dieses Ergebnis das „beste Ergebnis ever“ sei, aber nicht weiter verwunderlich, schließlich seien sie die einzigen gewesen, die „Themen im Wahlkampf hatten“.

Nach dem Live-Einstieg des ORF verlagerte sich die Wahlparty in den Gartenbereich des Theaters. Bei weißem Spritzer und veganem Szegediner Fleisch unterhielten sich Grün-Anhänger- und Politiker noch ausgiebig über das, für sie so erfreuliche, Wahlergebnis und das Abschneiden der anderen Parteien.

Nach und nach fand sich noch weitere Parteiprominenz ein. Alexander van der Bellen plauderte angeregt mit Grün-Sympathisanten und die Chefin der Bundespartei, Eva Glawischnig, traf gegen 18.30 Uhr ein, was der Feierlaune nur weiteren Auftrieb verlieh.

Wahlparty Grüne

Pink ist Programm

Dass die NEOS mit 7,9% ihr eigentliches Ziel von mehr als 10% doch deutlich verfehlt haben, war auf ihrer Wahlparty in der Säulenhalle im Wiener Volksgarten nicht zu spüren. „Wenn man das NEOS-Buch aufschlägt, dann ist das die Seite 12“, ordnete Parteichef Matthias Strolz die Europawahl ein, „allerdings, das NEOS-Buch hat 700 Seiten.“ Man sei also noch ganz am Anfang, und immerhin war es für die Partei die erste Europawahl, und viele sahen es bereits als Erfolg, zahlreiche andere Parteien hinter sich gelassen zu haben.

Auch Spitzenkandidatin Angelika Mlinar kam zu Wort und wirkte von der jubelnden Menge sehr berührt. Trotz oder vor allem wegen des harten Gegenwindes im Wahlkampf sah sie die Europawahl als wichtigen Erfolg für ihre Partei. „Ich bin überzeugt davon, dass wir ein wichtiger Faktor dafür waren, dass letztendlich die pro-europäischen Kräfte in Österreich gewonnen haben“, verkündete die zukünftige EU-Parlamentarierin stolz.

NEOS

Die Stimmung ließen sie sich also wirklich nicht vermiesen. Gefeiert wurde anschließend, wie im Vorfeld beworben, mit einem Barbecue, einer offenen Bar und bis nach Mitternacht mit einem DJ, der alles von „Rise like a Phoenix“ bis zu dem „Pink Panther“-Song auflegte. Dieser passt natürlich hervorragend zur auserkorenen „Parteifarbe der Leidenschaft“, die sich auch als exzessiv ausgelebter Dresscode wiederfand, und das Motto wurde ebenfalls übernommen. „Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage“, verkündete Matthias Strolz am Ende.

Doch nicht alle haben was zu feiern

Szenenwechsel. Wir befinden uns in der Pizzeria „La Delizia“. Ausnahmslos alle Anwesenden starren wie gebannt auf das Fernsehgerät und hoffen auf ein unglaubliches Wahlergebnisses. Die Hinterköpfe die sich uns hier präsentieren, gehören zu den REKOS, die sich als die „Überraschung des Wahlabends“ sehen. Nach den ersten Hochrechnungen ist jedoch klar: diese Hoffnung wurde bitter enttäuscht. Mit lediglich 1,2% verpassten sie den Einzug ins Europäische Parlament. Ewald Stadler ließ sich jedoch kaum etwas anmerken.

Man hätte kaum eine Chance gehabt mit nur 100 000 Euro Budget bei der „Materialschlacht“ mitzuhalten, so Stadler. Die eingeschränkten Mittel und die geringe mediale Unterstützung seien verantwortlich für die Wahlverluste. Trotz allem bedankte er sich bei allen Beteiligten und lobte den Idealismus, mit welchem der Wahlkampf geführt worden sei.

Keine klaren Worte fand der Spitzenkandidat auf die Frage ob und wie es mit seiner politischen Zukunft und den REKOS weitergehen würde. Er betonte, dass die Partei generell viele Unterstützer hätte und man weitermachen wolle – jedoch nur solange man auch die finanziellen Mittel dafür auftreiben könne.

REKOS

 Noch mehr Enttäuschungen

Zur Enttäuschung wurde der Wahltag für die Anhänger von Europa Anders. Spitzenkandidat Martin Ehrenhauser und seine Kollegen von den Piraten, Kommunisten und dem Wandel trafen sich zum gemeinsamen Verfolgen der ORF-Hochrechnung im Kulturzentrum „7stern“. Um Punkt 17.00 packten die, ähnlich bunt wie die Liste selbst, gemischten Gäste ihre Getränke und verließen den sonnigen Gastgarten für den entscheidenden Moment vor der Indoor-Leinwand.

Dass letztlich nur 1,8% der Wähler ihr Kreuz bei der Gemeinschaftsliste gemacht haben und somit kein Mandat erreicht wurde, sorgte für sichtliche Enttäuschung in dem gut gefüllten, lila-rot-gelb geschmückten Raum mit Wohnzimmerflair. Ein Hoffnungsschimmer für die Anhänger: Die für Europa Anders so wichtigen Städte seien bei der ersten Hochrechnung noch nicht ausgezählt, so Didi Zach vom Wahlkampfteam, man rechne also noch mit einem deutlichen Zuwachs. Auch der doch sichtlich niedergeschlagene Martin Ehrenhauser, der die Übertragung inmitten seiner Anhänger verfolgt hatte, gab sich im ORF-Interview letztlich doch optimistisch und kündigt ein Fortführen der Zusammenarbeit mit seinen Partnern an.

Wahlparty Europa Anders

Lethargie, Trauer, Verdrängung

Viel zu feiern gab es beim BZÖ nicht. Mit nur 0,5% verpassten auch sie den Einzug ins Europäische Parlament. In der Zukunftsakademie, die als Ort der Feierlichkeiten auserkoren war, fanden sich jedoch nur wenige Personen ein. Das ORF- Fernsehteam stand sogar vor dem Eingang auf dem Gehsteig – offenbar waren nicht alle Presseleute erwünscht. Es herrschte, wie nicht anders zu erwarten, eine eher gedrückte Stimmung. Es gab keine Musik, die wenigen Anwesenden unterhielten sich in Kleingruppen und allgemein war die Atmosphäre eher als depremiert zu beschreiben. Das Thema „Wahlausgang“ wurde tunlichst vermieden, wenn es doch zur Sprache kam, bemühte man sich um einen raschen Themenwechsel. Alles in allem spiegelte sich die Wahlschlappe auch auf der „Party“ wider – wohl mehr eine Pflichtveranstaltung als ein gewolltes Ereignis.

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Ein Beitrag von: Sarah Glas, Jörn Spichal, Tanya Falenczyk, Alexander Puffing, Saskia Etschmaier, Marie Sophie Leber, Magdalena Schwartz, Linda Pfeifenberger, Sophia Dollsack, Felix Schatz, Raphael Jüttner