Zurück auf der politischen Bühne: Varoufakis will nach Brüssel

Bekannt wurde er als griechischer Finanzminister, nun tritt Yanis Varoufakis bei den Europawahlen in Deutschland an. Mit dem Linksbündnis DiEM25 will er das politische Brüssel auf den Kopf stellen.

Es ist noch nicht so lange her, als Yanis Varoufakis das Image eines politischen Popstars trug. Als griechischer Finanzminister in der Wirtschaftskrise im Jahr 2015, wurde er das Gesicht der griechischen Regierung und Liebling der internationalen Presse. Das lag nicht nur an seinen markanten Auftritten, in Lederjacke auf einer Harley Davidson, sondern auch an seinen provozierenden Sprüchen. Nicht zu vergessen sind seine Aktionen gegenüber der europäischen Politik. In einem Video streckte er seinen Mittelfinger in Richtung Deutschland aus. „Was sie mit Griechenland machen, hat einen Namen: Terrorismus“ so Varoufakis vor einigen Jahren. Seine politische Karriere als griechischer Finanzminister dauerte insgesamt fünf Monate, danach reichte er seinen Rücktritt ein.

Ist es Pech, wenn die deutsche Bahn Verspätung hat? Für manche ist es Glück. Zum Bespiel für Herrn Varoufakis. Letzten Mittwoch ist ihm dadurch ein enttäuschender Anblick erspart geblieben. In Freiburg im Breisgau im Süden von Deutschland, versammelten sich zu einer Wahlveranstaltung seiner Partei „Demokratie in Europa-DiEM25“ lediglich ca. 80 Personen. Der Platz der alten Synagoge war wie leergefegt. Janis Varoufakis schaffte es vor lediglich vier Jahren in die Klatschspalten der Zeitungen, nur mit seinen rockigen Outfits, oder zusammen mit seiner Frau bei einem Getränk auf der Dachterrasse seiner Athener Wohnung. Nun ist er wieder zurück in Deutschland, genauer gesagt in Freiburg im Breisgau. Die enttäuschende Situation am Platz der Synagoge wurde versucht mit einer Rede von Strecko Horvat, einem anderen Kandidaten, zu retten. Es gelang Herrn Horvat bei strömenden Regen nur teilweise.

Am Abend bei der Podiumsdiskussion im Freiburger Seepark. Yanis Varoufakis ist nun endlich da. Zusammen mit Herr Horvat, der aus Österreich stammenden Kandidatin Daniela Platsch, Monika Stein – eine lokale Kommunalpolitikerin, einem Übersetzer und zwei Moderatoren. Herr Varoufakis bezieht in gewohnt cooler Manier das Podium. Der Saal ist voll, es sind ca. 400 Menschen anwesend. Die meisten Anwesenden sind jung. Es scheint als sei Yanis Varoufakis nun endlich in seinem Element. Er ist Dreh und Angelpunkt des Abends, die meisten Fragen richten sich an ihn. Seine Standpunkte vertrat er in gewohnte radikaler Art, er will 500 Milliarden Euro in den Umweltschutz investieren, ohne steuerliche Erhöhungen. Außerdem fordert er Transparenz von allen 30.000 Lobbyisten in Brüssel. Es soll eine Liste erstellt werden mit Namen und Telefonnummern und einem Nachweis, mit wem sie wie lange telefonieren bzw. sprechen. „Alle sind gläsern, nur die, die die Welt so gemacht haben, sind es nicht“, so Varoufakis unter tosendem Applaus.

Quelle Bild: „Yanis Varoufakis“ by „Marc Lozano„, „CC BY-SA 2.0

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