Die EU im Holz-Iglu

Wien – Am Samstag dem 4. Mai fand am Enkplatz in Simmering der Auftakt der Veranstaltungsreihe „Grätzel goes Europe“ statt. Interessierte BürgerInnen konnten dabei mit VertreterInnen der zur EU-Wahl zugelassenen Parteien über die EU diskutieren. Monika Vana (Die Grünen), Stefan Zotti (Neos), Marion Krainer (1Europa/Liste Jetzt) sowie Jörg Leichtfried und Harald Troch (SPÖ) standen Rede und Antwort.

Bauernmarkt, Erstkommunion und Holz-Iglu

Zwischen Erstkommunion in der Kirche quer dahinter, geschäftigen Tandlern am samstäglichen Bauernmarkt daneben und vor gefüllter Aida-Filiale zog ein Ding die Blicke der PassantInnen auf sich: Die auffällige Holzkonstruktion in der später unter dem Motto „Grätzel goes Europe“ diskutiert werden sollte. Es handelte sich dabei um eine Art offenen Holz-Iglu mit Inneneinrichtung aus Karton. Die Schön-Wetter-Konstruktion klingt nach dem Einrichtungstraum der Grünen und war auf die Veranstaltung abgestimmt. Durch die Offenheit konnte jedeR, die/der gerade Lust hatte, dazustoßen, mitdiskutieren oder einfach nur lauschen.

Wenig Diskussion – viel Zustimmung

Da keine VertreterInnen der Regierungsparteien an der Veranstaltung teilnahmen, war die Opposition unter sich. Moderiert von der Journalistin Rebekka Salzer, wurden unter anderem Fragen zum Brexit sowie einem vermeintlichen Öxit, zur Wahlmotivation der ÖsterreicherInnen und etwaige Vorurteilen gegenüber der EU behandelt. Nachdem sich der Großteil der DiskutantInnen zuvor in der Aida bei Kaffee und Kuchen gestärkt hatte, ging es pünktlich um 10:00 los. Die Gemütlichkeit wurde aber vom Frühschoppen ins Diskutieren mitgenommen. Ohne medialen Drang, sich zwanghaft voneinander abzugrenzen, stand man mit wenigen Differenzen geeint für ein proeuropäisches Österreich ein. Es schien, dass es mehr darüber zu hören gab, was die Parteien miteinander verbindet als darüber, was sie unterscheidet.

Das war anfangs erfrischend, nach 1 Stunde im Sitzkreis des doch recht kältedurchlässigen Holz-Iglus hätten hitzige Debatten und ein reger Schlagabtausch den Unterhaltungswert für die ZuseherInnen doch gesteigert. So war es eben ein zeitweises Daraufhinweisen, dass man in diesem und jenen Punkt eine graduell andere Meinung habe. Dass der Großteil der BürgerInnen weniger zum Diskutieren als zum Zuhören da war, half ebensowenig.

Inhaltlich keine großen Überraschungen

Reibungslos und ohne Untebrechung konnte jedeR frei aus seinem/ihrem EU-Wahlprogramm zitieren. Monika Vana, die bereits im EU-Parlament saß, sprach sich für eine verbesserte Klimapolitk auf EU-Ebene und eine Stärkung der direkten Demokratie aus. Die Demonstrationen im Rahmen der „Fridays for Future“ zeigten, dass das „Klima den Menschen unter den Nägeln brennt“, so Vana. Auf die Frage, was die Initiative 1Europa der Liste Jetzt von den Grünen unterscheide, entgegnete Marion Krainer, ob es nicht wichtiger sei, die Leute zu motivieren, überhaupt zur Wahl zu gehen, anstatt sich maßgeblich zu unterscheiden. Ihr sei es beispielsweise lieber, jemand wähle die Grünen als gar nicht. Ein Finanzausgleich auf gesamteuropäischer Ebene käme für sie außerdem in Frage.

Stefan Zotti sprach sich für eine Umstrukturierung der EU hin zu den „Vereinigten Staaten von Europa“ aus und möchte eine Veränderung in den Institutionen der EU, beispielsweise den Kommissionspräsidenten in Zukunft direkt wählen. Jörg Leichtfried und Harald Troch von der SPÖ, beide nicht auf der EU-Wahlliste, plädierten stellvertretend für eine EU-Politik, die den BürgerInnen klarmachen solle, was die EU den ÖsterreicherInnen überhaupt bringe, man manches aber natürlich auch ändern müsse. Dass man die europäische Politik nicht den rechten Parteien überlassen wolle, darin waren sich alle einig.

Hast du Fragen an die EU-KandidatInnen oder bist mit ihren Vorschlägen nicht einverstanden und willst darüber diskutieren?
Die nächsten Termine sind am 11. Mai in Favoriten (Station Columbusplatz, 10 bis 12 Uhr), am  8. Mai in Meidling (Meidlinger Hauptstraße 12-14, 10 bis 12 Uhr) und am 23. Mai bei weXelerate in der Leopoldstadt (Praterstraße 1, 17 bis 19 Uhr).

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