EU-Wahlduelle im ORF: „Er ist ehrlich, aber seine Politik ist gefährlich.“

Im ORF haben sich am Mittwoch in der zweiten Runde von „2 im Gespräch“ zur EU-Wahl erneut Othmar Karas (ÖVP), Andreas Schieder (SPÖ), Harald Vilimsky (FPÖ), Werner Kogler (Grüne), Claudia Gamon (NEOS) und Johannes Voggenhuber (Liste Jetzt) zu sieben Duellen getroffen. Für die Konfrontation mit Vilimsky hat die ÖVP allerdings ihre Listenzweite Karoline Edtstadler ins Rennen geschickt. Wir haben die sieben Duelle kompakt zusammengefasst.

Vilimsky vs. Voggenhuber

Voggenhuber beginnt die Konfrontation sofort mit einem Scherz: Er legt Vilimsky ein Stück Kreide auf den Tisch – „für den Fall, dass sie ihm ausgeht.“ Der Liste-Jetzt Kandidat wirft dem Freiheitlichen „eine brandgefährliche Politik“ und „Menschenrechtswidrigkeit“ vor. Vilimsky bleibt bei seiner Forderung, dass in der Sozial- und Asylpolitik Österreich die Entscheidungsgewalt behalten soll. Voggenhuber sieht die Nationalstaaten in dieser Frage „zukunftsunfähig“. Vilimsky will Schnittmengen mit ihm in Bereichen wie Anti-Atomkraft und Tierschutz finden, was Voggenhuber jedoch stark zurückweist. „Mein gesamtes politisches Leben steht gegen alles, was Sie repräsentieren“, so der Ex-Grüne.

Karas vs. Kogler

Karas startet mit einem Lob an Sebastian Kurz und fordert Bürokratieabbau in der EU. Kogler attackiert scharf und meint Karas verleugnet sich selbst. Der grüne Spitzenkandidat legt nach und kritisiert den Bundeskanzler und sein „primitives, populistische Reingedresche auf Europa“. Othmar Karas soll „Stellung nehmen, sonst könne man gleich den Herrn Kurz herholen.“ Karas weist die Kritik sanft zurück. „Auf Othmas Karas ist Verlass“, meint er von sich in der dritten Person.

Schieder vs. Vilimsky

Das Duell zwischen SPÖ und FPÖ bleibt überraschend mild. Dennoch gibt es einige Angriffe. „Er ist ehrlich, aber seine Politik ist gefährlich“, meint Schieder über seinen blauen Kontrahenten. Dieser bemüht sich die guten Kontakte der FPÖ mit den Sozialdemokraten im Burgenland zu betonen. Auf ein Taferl von Schieder mit der Aufschrift „SPÖ voten statt identitäre Chaoten“ kontert der blaue Spitzenkandidat: „Ihre Leute feiern den Lenin-Geburtstag in Wr.Neustadt.“

Gamon vs. Kogler

Der Freihandel ist das Hauptthema des pink-grünen-Duells. Hier betont NEOS-Listenerste Claudia Gamon die destruktive Position der Grünen: „Sie sagen immer nur nein, nein, nein.“ Kogler ist dagegen bemüht die Europafraktion der Liberalen für ihre Spenden zu kritisieren. Nach einigen Einwürfen gelingt es Gamon Kogler zu bremsen und betont, die NEOS seien „365 Tage im Jahr zu 100 Prozent transparent.“

Karas vs. Schieder

ÖVP-Kandidat Karas ist bei seinem zweiten Duell wieder in der Defensive. Er beginnt mit einer Aufzählung über die Erfolge der EU in Sachen Zusammenhalt, Bildung und Gebühren. Zeitgleich betont er auch, die EU sei aber „nicht fertig“. Andreas Schieder kritisiert den Schwarzen im Bezug auf die Regierungslinie und auf seine Glaubwürdigkeit: „Wenn man ehrlicher Europäer ist, wie lange macht man da noch mit?“ Dann verlagert sich das Duell Richtung Konzerne und endet beim 12-Stunden-Tag.

Gamon vs. Voggenhuber

Bei der Diskussion Jung gegen Alt geht es eher sachlich zu. Das Thema: EU-Erweiterung. Gamon sieht am Balkan ein Machtvakuum, das sie nicht von Russland oder China gefüllt sehen will. Einen potenziellen Beitritt weiterer Länder lässt sie aber offen. Voggenhuber kritisiert die türkische Beitrittskandidatur, sieht die Schuld dafür aber bei den USA. Gamon stimmt ihm mit einem Nicken zu. Etwas hitziger wird es beim Thema Finanzausgleich für Länder wie Griechenland. Voggenhuber fordert mehr Unterstützung von der EU, Gamon will dagegen die „Eigenverantwortung der Nationalstaaten nicht zurückschrauben“.

Vilimsky vs. Edtstadler

Beim Abschlussduell streitet man sich darum, wer näher an der Regierungslinie ist. Die Volkspartei schickt nicht Karas, sondern ihre Listenzweite Karoline Edtstadler gegen die FPÖ ins Rennen. Sie vertritt die türkise Seite der ÖVP und will so die „große Breite“ in ihrer Partei aufzeigen. Vilimsky sieht darin eher Zerrissenheit. „Eigentlich müssten Sie in meinem Team die Nummer zwei sein“, meint der blaue Spitzenkandidat. Edtstadler bedankt sich für die Einladung, entgegnet aber, sie sei nicht anti-europäisch. Auch das Versprechen, dass sie fünf Jahre im EU-Parlament bleibt, kann Vilimsky ihr nicht entlocken. Die türkise Kandidatin soll nämlich im Gespräch für die Position der österreichischen EU-Kommissarin sein.

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