Mehr als Wahlen?

WIEN. Wie wird die Zukunft Europas nach den anstehenden Europawahlen aussehen und welche Rolle spielen die Medien dabei? Diese und weitere Fragen wurden am 15. Mai beim ORF Dialog-Forum im Radiokulturhaus diskutiert.

Was ist Europa?

Zu Beginn wurde darüber debattiert, was Europa eigentlich darstellt und wo die Vorzüge der Union liegen. Ulrike Guérot, Politikwissenschaftlerin und Gründerin des „European Democracy Lab“ beschreibt die EU dabei grob mit den Eigenschaften des gemeinsamen Marktes, der gemeinsamen stabilen Währung und des Schengen Raumes. Atte Jääskeläinen von der Universität Finnland stellt vor allem einen Aspekt in den Vordergrund: „Viele Leute wählen gegen etwas, anstatt für etwas.“ Ernst Gelegs, ORF-Korrespondent in Budapest ergänzte noch die Beobachtung, dass sich Europa in eine eher rechte Richtung entwickeln würde. Heidrun Maier-de Kruijff, Geschäftsführerin VÖWG sieht noch ein weiteres Problem, welches auch die EU betreffen würde: „Die Einkommen steigen weniger an, als die Kosten für das Wohnen. Hier muss etwas getan werden.“

„Viele Leute wählen gegen etwas, anstatt für etwas“

Atte Jääskeläinen

Rolle der Medien

Die Medien stehen immer wieder im Zentrum der Debatten. Ob Fake News oder die Verteidigung der Pressefreiheit, wohin geht die Rolle der Medien? „Gerade Populisten attakieren Qualitätsmedien. In Ungarn ist momentan der öffentlich-rechtliche Rundfunk in einem jämmerlichen Zustand“, so Gelegs. Daher betont Heidrun Maier-de Kruijff, dass gute und unabhängige Journalisten gerade in Ländern wie Ungarn besonders wichtig wären. In der heutigen Informationsflut sieht Maria Mayrhofer von der Initiative #aufstehn ein Problem: „Es findet durch die Menge an medialen Informationen ein unglaublicher Wettbewerb statt. Emotionen wie Wut, Hass und Angst funktionieren am besten, um Aufmerksamkeit zu generieren. Deswegen nutzen rechte Parteien gerade diese Informationen aus.“

Abschließend reümiert Ulrike Guérot über die Europäische Union: „Am wichtigsten sollte in Europa das Gemeinwohl sein. Wir müssen die EU als Republik sehen, in der das Soziale wieder Wert hat. Um es mit den Worten der französischen Revolution zu beschreiben: Liberté, Égalité, Fraternité.“(Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit)

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