Evelyn Regner und Christoph Leitl: Ein Europa der Konzerne?

Wien – Bei Regen und slowenischem Wein hat die Gebäudereinigungsfirma da-ka am 22. Mai die Europapolitikerin Evelyn Regner (SPÖ) und den ehemaligen Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl (ÖVP) zur Diskussion „Europa der Konzerne“ eingeladen. Nana Walzer übernahm dabei die Moderation und Essen gab es vom Flüchtlingsrestaurant „Habibi und Hawara“ auf dem Firmengelände.

Führerschein G, wie Geilomobil

Es ist das zweite Mal, dass die Firma da-ka ihren sogenannten „Bassena Talk“ abhält. Eine Anspielung auf das allgemein zugängliche Waschbecken (Bassena) am Gang eines Altbaus. Dort wurde früher öfters über die verschiedensten Themen getratscht und nicht selten gestritten. Hinter dem Publikum war deswegen auch so ein Becken aufgestellt. Geschäftsführer Sebastian Wilken leitet die Veranstaltung ein und lobt den Lebenslauf von Leitl. Ein Politiker solle die richtigen Qualifikationen haben, nicht nur Matura und einen „Führerschein G wie Geilomobil“. Bevor sich die Scherze zu sehr häufen, übergibt er dann das Wort an Moderatorin Nana Walzer.

Regner: „Wir brauchen Konzerne“

Regner und Leitl waren bei den meisten Themen einer Meinung. Beide sind pro-europäisch, treten für eine faire Besteuerung von Unternehmen ein und sind von der Notwendigkeit großer Konzerne überzeugt. „Zum guten Leben brauchen wir einen guten Job“, sagt Regner. Diese würden nicht nur von kleinen und mittleren Unternehmen gestellt, sondern eben auch von Großkonzernen. Leitl sieht das ähnlich. Beim Thema Bürokratie in der EU gibt es aber Gegensätze zwischen den beiden. Während Regner Bundeskanzler Sebastian Kurz, für seinen Plan 1.000 EU-Verordnungen zu streichen, kritisiert, hält Leitl dagegen. Bei 80.000 Vorschriften sei es „sehr bescheiden“, wenn man 1.000 angehen würde.

Leitl: „I am happy but the world is crazy.“

Ein weiterer Themenpunkt ist die Digitalisierung. Wegen selbstfahrenden Autos, dichterer Vernetzung und vermehrtem Egoismus sei es in Zukunft wichtig, Entscheidungen rasch und transparent durchzuführen. Auf die Frage, wie es Leitl im Bezug auf diese strukturellen Veränderungen geht, entgegnet er humorvoll: „I am happy but the world is crazy.“ Weiters geht es um die Rolle Ungarns in der EU. „Wenn man nur kassiert und sich nicht an Regeln hält, sollte man kein Geld mehr bekommen“, meint Regner. Im Bezug auf die Steuervermeidung von Konzernen pocht die Europapolitikerin auf Einheitlichkeit in der Union: „Solange wir 28 verschiedene Steuerregeln haben, besteht immer Steuerfluchtgefahr.“

Halal, Schweinefleisch und die EU-Wahl

Schließlich sind sich beide einig, dass man die Menschen europaweit besser begleiten müsste. Denn verunsicherte Menschen würden „den Populisten folgen, obwohl sie unseriös sind“, so Leitl. Regner wünscht sich für die Zukunft ein Europa, in dem ihre Kinder in einer „intakten Umwelt und sozial abgesichert“ leben können. Zum Abschluss der Diskussion kommt noch ein Wahl-Apell, der vor allem an die Jugend gerichtet ist. Am 26. Mai ist EU-Wahl und vor allem junge Menschen müssten lernen, dass die EU keine Selbstverständlichkeit ist. Spätestens jetzt riecht jeder die Pommes und Grillspezialitäten von „Habibi und Hawara“ und Unruhe macht sich breit. Es gibt Halal-Speisen und Schweinswürstel. Der Abend klingt bei slowenischem Wein und Regen unter einem weißen Zelt aus.

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