SPÖ-Wahlabschluss – Schieder: „Zeit für einen Neuanfang, der moralisch, sauber und ehrlich ist“

Wahlabschluss der SPÖ am 24. Mai mit den Spitzenkandidaten im Festzelt in der Löwelstraße

„Ich habe schon ärger besoffene Leute gesehen die weniger Blödsinn geredet haben als die zwei!“ – Zum Abschluss des EU-Wahlkampfes der SPÖ kritisiert diese FPÖ und ÖVP. Die Redner warnen vor einem Rechtsruck in Europa und plädieren für Sauberkeit und Gerechtigkeit.

Wien – Am Freitag, den 24. Mai veranstaltete die SPÖ wieder einmal im Festzelt in der Löwelstraße den Wahlabschluss ihres Europawahlkampfes. Vor einem gut gefüllten Zelt schworen Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner, Spitzenkandidat Andreas Schieder und der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig das Publikum auf den bevorstehenden Wahlsonntag ein. Laut Angaben der SPÖ waren 1.200 Menschen anwesend.

Auf den Stuhlreihen im Zelt sind bereits Europafahnen und SPÖ-Wahlschilder verteilt, welche die Zuschauer immer wieder hochhalten. Eine 70er-Jahre-Coverband versucht die Menge in Stimmung zu bringen, bevor die Moderatorin die Bühne betritt. Neben der Begrüßung der Gäste wird auch hier auf einen Seitenhieb auf die FPÖ nicht verzichtet. Diese seien eine „Partei von Landesverrätern“ während die SPÖ für „Politik mit Anstand“ stehe. „Schluss mit Machtspielen auf dem Rücken unseres Landes.“ fordert sie, von lautem Applaus begleitet.

Rendi-Wagner: „Wir sind das starke Gegengewicht in Europa“

Als erste Rednerin der Veranstaltung ergreift Pamela Rendi-Wagner das Wort. Begleitet von immer wieder aufbrandendem Applaus erklärt sie die SPÖ als starkes Gegengewicht zu einem gespaltenem, nationalistischen Europa. „Wir sind stark auf europäischer Ebene und werden es beweisen.“ Sie blickt zuversichtlich auf den kommenden Wahlsonntag. „Was passiert, wenn die Rechten gewinnen, sehen wir tagtäglich.“ So erwähnt die SPÖ-Chefin die FPÖ zwar nicht direkt, jedoch bezog sie klar Stellung gegen Kanzler Kurz. Dieser komme seiner Verantwortung nicht nach. „Er ist ihr nicht gewachsen, er ist nicht reif dafür.“ Das Publikum jubelt.

Am kommenden Sonntag geht es jedoch um Verantwortung auf europäischer, nicht nationaler Ebene. Rendi-Wagner fordert dafür mehr Gerechtigkeit und mehr sozialen Ausgleich. „Es braucht ein Zukunftsprojekt mit sozialdemokratischer Handschrift.“

Schieder: „Raus mit den Konzernlobbyisten und rein mit den Interessen der Menschen“

Spitzenkandidat Andreas Schieder begeistert die Menge mit seiner Rede

Nach einem kurzen Wahlkampfspot und einleitenden Worten der Moderatorin tritt schließlich der Star des Nachmittags auf die Bühne. Spitzenkandidat Andreas Schieder. Österreich sei das Land mit der schönsten Landschaft und den fleißigsten Menschen, voll mit ehrlichen Österreichern „außer ein paar wenigen, die sich dabei auch noch filmen lassen” beginnt er seine teils hitzige, teils humorige Rede. Die FPÖ sei „bereit gewesen, unsere Heimat an russische Oligarchen zu verscherbeln. Sowas geht doch nicht in diesem Land“, ruft er unter lauten Jubelrufen. Es brauche eine „fundamentale politische Erneuerung.“

Nicht nur Österreich brauche jedoch diese politische Erneuerung und Sauberkeit, sondern auch Europa. Viele Machthaber würden sich eine geschwächte Union wünschen. Deshalb müsse man rechtzeitig gegen die Rechtspopulisten aufbegehren. Vom johlendem Publikum begleitet rief er in die Menge: „Die Rechtspopulisten sind die größte Gefahr in Europa. Denn sie haben das gemeinsame Dach in Europa unter Feuer gesetzt. Und gegen dieses Feuer hilft nur ein roter Feuerlöscher.“

Soziale Gerechtigkeit in der EU

Ebenso wie seine Vorrednerin Rendi-Wagner, kam der SPÖ-Spitzenkandidat auch auf die soziale Gerechtigkeit auf europäischer Ebene zu sprechen. „Raus mit den Konzernlobbyisten und rein mit den Interessen der Menschen. Wir brauchen europaweite Mindestlöhne und Mindeststandards.“ Mit einem Augenzwinkern und den Worten „Ich glaub ihr kennt das Beispiel“ forderte er auch die fairen Steuerbeiträge von Großkonzernen wie Starbucks ein. Ebenso sei ein Privatisierungsstopp in Europa unumgänglich mit Blick auf die Konsequenzen in Frankreich und Großbritannien. „Hände weg von unserem Wasser, Hände weg von unseren Gemeindewohnungen und Hände weg von unseren öffentlichen Schulen und Spitälern.“

Mit einer kurzen Lobeshymne auf die Spitzenkandidaten und Parteivorsitzende beendete der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig die Veranstaltung. Unter lautem Klatschen versammelten sich alle prominenten SPÖ-Mitglieder auf der Bühne und winkten ihrem Publikum zu. Man gibt sich zuversichtlich und kämpferisch. Die Schwächung der FPÖ und ÖVP in der letzten Woche gibt der SPÖ Aufwind, welchen sie zu nutzen gedenkt. Ob dieser jedoch Auswirkungen auf die EU-Wahlen am kommenden Sonntag haben wird, muss sich erst noch zeigen.

SPÖ-Europawahlfinish in Bildern

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